
Entlastung
Entlastung
Fasten, Detoxen, Entschlacken … sie haben eines gemeinsam: Es sind ernährungsmäßig Pausen vom „Normalzustand“.
Ob solche Tage sinnvoll sind oder nicht, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Während die einen begeistert davon sind, sagen die anderen: „Brauche ich nicht – mein Körper kann schließlich selbst entgiften.“
Und ja: Unser Körper ist tatsächlich in der Lage, vieles selbst zu regulieren und auszuscheiden.
Mein Ansatz ist aber ein ganz einfacher: Man kann ihn dabei unterstützen, indem man ihm eine Zeit lang weniger Arbeit macht.
Oder anders gesagt: weniger Reize, weniger „Dauerbeschäftigung“, weniger Schwerstarbeit für die Verdauung.
Ein kurzer Ausflug in eine meiner „Lieblingswelten“ – die Welt der Bewegung: Nach einer anstrengenden Wanderung tut eine Pause gut. Ich bewege mich natürlich weiter, aber ich lege zwischendurch die Beine hoch – zur Entlastung.
Und genau so stelle ich mir die Entlastungstage vor:
Nicht die Beine sollen sich erholen, sondern die inneren Organe, die täglich mit Verdauung, Verwertung und Ausscheidung beschäftigt sind. Für ein paar Tage wird es einfacher, leichter und ruhiger – und genau das empfinden viele als richtig angenehm.
Wenn man von Entlastung, Entschlackung, Detox, … spricht, landet man früher oder später beim Thema Säure-Basen-Haushalt.
Der Säure-Basen-Haushalt: viel zitiert, oft missverstanden
Unser Körper ist darauf ausgelegt, seinen Säure-Basen-Haushalt sehr genau zu regulieren. Der pH-Wert des Blutes wird in einem engen Bereich gehalten – unabhängig davon, was wir essen. In diesem Punkt haben die Skeptiker:innen recht: Der Körper übersäuern nicht einfach so.
Apropos pH-Wert – was ist das eigentlich?
Er gibt an, ob eine Flüssigkeit sauer (pH < 7), neutral (pH = 7) oder basisch (pH > 7) ist. Ein pH-Wert im Blut von unter 6,8 oder über 7,7 ist mit dem Leben nicht mehr vereinbar. Im Normalfall liegt er hier zwischen 7,37 und 7,44. Und damit dieser enge Bereich eingehalten werden kann, gibt es einige sehr ausgeklügelte Ausgleichsmechanismen, die laufend zu tun haben.
An dieser Stelle ein kleiner Einschub: Nicht alle Körperbereiche haben denselben pH-Wert. Im Magen herrscht beispielsweise stark saures Milieu mit einem pH-Wert zwischen etwa 1 und 4 – genau das ist für die Verdauung auch notwendig.
Zu den Regelmechanismen des Säure-Basen-Haushalts – hier die bereits erwähnten Helferleins:
Puffersysteme im Blut
die Lunge (Abatmung von Kohlendioxid)
die Nieren (Ausscheidung von Säuren)
und langfristig auch der Mineralstoffhaushalt
Wie stark diese Systeme dauerhaft gefordert werden können, wird zunehmend diskutiert. – nicht zuletzt vor dem Hintergrund moderner Ernährungsgewohnheiten, die viel Ausgleichsarbeit verlangen.
Selbstregulation heißt also nicht, dass der Körper keine Arbeit hat.
Eine der Theorien zum Thema „sauer oder nicht“ besagt, dass eine langfristig säureüberschüssige Ernährung zu einer minimalen Verschiebung des Blut-pH-Werts innerhalb des Normbereichs in Richtung „sauer“ führen kann. Und das kann wiederum zu einer Struktur- und Funktionsänderung im Bindegewebe führen.
Eine Ernährung, die sehr reich an stark verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker, Alkohol oder großen tierischen Proteinmengen ist, erzeugt im Stoffwechsel mehr saure Abbauprodukte. Der Körper gleicht das aus – aber er muss dafür arbeiten.
Man kann sich das vorstellen wie bei einem gut trainierten Menschen, der problemlos schwere Einkaufstaschen trägt. Er kann das – aber wenn er es jeden Tag und ohne Pause macht, wird es irgendwann anstrengend.
Entlastung bedeutet in diesem Zusammenhang dem Körper zeitweise weniger Ausgleichsarbeit zuzumuten.
Wie sieht die TCM die ganze Sache?
Den Begriff „Übersäuerung“ gibt es in der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht. Lebensmittel, die im westlichen Verständnis oft als säurebildend gelten – wie Milchprodukte, Zucker, Alkohol oder größere Mengen tierischen Eiweißes – stehen hier nur selten auf dem Speiseplan.
Im Zentrum der TCM steht nicht der pH-Wert, sondern das Gleichgewicht von Yin und Yang im Zusammenspiel mit Qi (Energie) und Xue (Blut). Diese Faktoren gelten als entscheidend für Gesundheit und Wohlbefinden. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, können aus Sicht der TCM unterschiedliche Beschwerden entstehen.
Zur Unterstützung werden je nach Situation Kräutermischungen, Akupunktur und die Ernährung nach den fünf Elementen eingesetzt. Diese orientiert sich an den fünf Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser und hat vor allem ein Ziel: die Stärkung der Mitte, also des Verdauungssystems.
Auch wenn die Erklärungsmodelle unterschiedlich sind, beschreiben sie letztlich dasselbe Prinzip: weniger Reize, weniger Dauerbelastung, mehr Regeneration.
Warum Entlastungstage sinnvoll sein können
Entlastungstage reduzieren die Stoffwechselarbeit, die notwendig ist, um das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Der Körper muss weniger gleichzeitig verarbeiten – und genau das empfinden viele als wohltuend.
Das hilft dabei:
Gemüse, Gemüse, Gemüse
Obst in moderaten Mengen
Kräuter
Nüsse, Samen
Pflanzliche Öle
Wasser, Kräutertee
Ebenso wichtig ist die Struktur:
drei Mahlzeiten
keine Zwischenmahlzeiten
frisch und selbst gekocht
Viel Information, unterschiedliche Sichtweisen – und nicht alles ist eindeutig.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:
Wenn du dich aktuell sehr energielos fühlst oder dich gerade von einer Krankheit erholst, passen Entlastungstage nicht. In solchen Phasen braucht der Körper Aufbau und Stabilität, nicht zusätzliche Reduktion.
Es gibt viele Theorien – und genauso viele Wege.
Entlastung muss weder perfekt noch kompliziert sein.
Am Ende zählt nur eines: Was tut dir gut?
Wenn du dir dabei Orientierung und Begleitung wünschst, findest du meine aktuellen Angebote und Termine gesammelt auf „Für dich“.
Entlastende Grüße
Eva
