
Gemüse-Offensive
Gemüse-offensive # 1 : kraut
Warum Weißkraut und Rotkraut unterschätzte Superfoods sind
Kraut gehört zu den Gemüsesorten, die viele von uns schon aus Kindertagen kennen – und daher mangels Coolnessgrad gern übersehen. Zu Unrecht! Weiß oder rot, gekocht oder fermentiert: Kraut ist ein echter Allrounder mit Geschichte und beachtlichem gesundheitlichen Wert.
Ein Gemüse mit Geschichte ⛵
Schon lange bevor es Kühlschränke oder Nahrungsergänzungsmittel gab, spielte Kraut eine zentrale Rolle in der Ernährung. Vor allem als Sauerkraut hat es Menschen auch im Winter mit Vitaminen versorgt. Seefahrer nahmen Fässer davon mit auf lange Reisen, um Mangelerscheinungen und Zahnverlust vorzubeugen. Kraut war damit nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern eine Art frühe Gesundheitsvorsorge.
Weißkraut und Rotkraut – nah verwandt, doch nicht gleich
Botanisch gehören Weiß- und Rotkraut zur selben Familie. Trotzdem unterscheiden sie sich in Geschmack, Farbe und einigen Inhaltsstoffen. Weißkraut bildet große, feste Köpfe und schmeckt mild bis leicht würzig. Rotkraut ist meist etwas kleiner, feiner im Geschmack und bringt mit seiner violett-roten Farbe etwas Buntes auf den Teller.
Beide Varianten liefern wertvolle Vitamine und Mineralstoffe, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte:
Rotkraut macht sich besonders mit seinem Gehalt an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen, den sogenannten Anthocyanen, die für die intensive Farbe verantwortlich sind, wichtig. Weißkraut enthält dafür etwas mehr Vitamin K, Mineralstoffe und Ballaststoffe.
Warum Kraut deinem Körper gut tut 🥳
Unabhängig von der Farbe steckt Kraut voller Nährstoffe. Es liefert:
Vitamin C für das Immunsystem,
Folat für Zellteilung und Blutbildung sowie
Vitamin K, das unter anderem für die Blutgerinnung wichtig ist.
Dazu kommen Mineralstoffe wie Kalium, Calcium und Magnesium, die Muskeln und Knochen unterstützen.
Besonders spannend sind die enthaltenen Ballaststoffe. Sie sorgen für Sättigung, fördern eine regelmäßige Verdauung und dienen als Nahrung für unsere Darmbakterien. In Kombination mit den sekundären Pflanzenstoffen – vor allem den Glucosinolaten – kann Kraut entzündungshemmende Prozesse unterstützen und zum Schutz unserer Zellen beitragen.
Kraut und Darmgesundheit – warum dein Darm davon profitiert
Für unsere Darmflora ist Kraut ein wertvoller Verbündeter. Die Ballaststoffe gelangen größtenteils unverdaut in den Dickdarm und werden dort von Darmbakterien weiterverarbeitet. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die die Darmschleimhaut nähren und entzündungshemmend wirken können.
In fermentierter Form, etwa als Sauerkraut, kommt ein zusätzlicher Effekt dazu: Milchsäurebakterien unterstützen eine vielfältige Darmflora und machen bestimmte Nährstoffe besser verfügbar. Viele Menschen empfinden fermentiertes Kraut außerdem als bekömmlicher als rohe Varianten. Jeden Tag ein bisschen Sauerkraut kann so auch die Abwehrkräfte unterstützen.
Kraut roh oder gegart – was passt besser? 👩🍳
Rohes Kraut enthält besonders viele hitzeempfindliche Vitamine. Fein gehobelt als Salat kann es daher ernährungsphysiologisch punkten. Gleichzeitig ist rohes Kraut für manche Menschen schwer verdaulich und kann zu Blähungen oder Völlegefühl führen.
Schonendes Garen, Dünsten oder kurzes Blanchieren macht Kraut deutlich bekömmlicher, ohne dass alle wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen. Gewürze wie Kümmel, Fenchel oder Majoran können die Verdauung zusätzlich unterstützen. Höre am besten darauf, was dein Bauch dazu zu sagen hat (im wahrsten Sinne des Wortes 😉).
Wenn es doch die Rohkost sein soll, kannst du das geschnittene Kraut mit Salz, Zitronensaft und ein bisschen Öl kneten und kurz stehen lassen. So entfaltet sich das Aroma besser – und verträglicher wird das Kraut auch noch.
Rot oder blau: Warum Rotkraut manchmal nicht so eindeutig ist 🔴🔵
Die intensive Farbe des Rotkrauts reagiert sensibel auf den pH-Wert. Säurehaltige Zutaten wie Apfel, Essig oder Zitronensaft verstärken die rote Farbe. Gibst du hingegen Natron oder Zucker dazu, kann das Kraut bläulicher werden – daher die regionale Bezeichnung „Blaukraut“.
Einkauf und Lagerung von Kraut 🛒
Kraut aus heimischem Anbau ist fast das ganze Jahr erhältlich. Beim Einkauf sollten die Köpfe fest sein und keine welken Außenblätter aufweisen. Unangeschnitten hält sich Kraut im Kühlschrank mehrere Tage bis Wochen, je nach Sorte. Wenn du platzmäßig aus den Vollen schöpfst, kannst du Kraut sogar über Monate kühl und dunkel lagern.
Warum Kraut mehr Aufmerksamkeit verdient
Ob weiß oder rot, roh, gegart oder fermentiert – Kraut ist vielseitig, regional und voller wertvoller Inhaltsstoffe. Es passt hervorragend in eine alltagstaugliche, entlastende Küche und zeigt, dass gesunde Ernährung nicht exotisch sein muss. Manchmal liegt das Gute tatsächlich ganz nah – in Form eines einfachen Krautkopfs.
Zum Schluss noch eine kleine Kraut-Geschichte 🎂
Früher hieß es: Kam ein Gratulant zu spät – also erst am Nachmittag oder am nächsten Tag –, sagte er beim Eintreten:
„Ich komme wohl spät, aber ihr werdet hoffentlich noch kein Kraut gegessen haben.“
Denn sonst sollte der Glückwunsch nicht mehr in Erfüllung gehen.
Jetzt, wo wir wissen, wie viel Gutes im Kraut steckt, sollten Gratulant:innen lieber pünktlich daherkommen.
Wie magst du dein Kraut am liebsten – roh, warm oder fermentiert?
Hier noch zwei Rezeptideen für dich:
Wenn du Lust hast, solche alltagstauglichen Lebensmittel einmal bewusst in den Mittelpunkt zu stellen, findest du hier Infos zu meinen Entlastungstagen im März.
